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Letzte Aktualisierung:
27.07.2008

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Kinderlähmung

Übertragung

Das Polio-Virus wird mit dem Stuhl ausgeschieden. Es gelangt durch den Mund in den Körper, beispielsweise über die Hände, Gegenstände, Nahrungsmittel, Wasser oder auch in Schwimmmbädern (oral-fäkale Schmutz- und Schmierinfektion).

Bei Reisen in Länder mit hoher Durchseuchung, z.B. in den Mittelmeerraum, oder durch eingeschleppte Wildviren, sind aber nach wie vor Infektionen und eine schnelle Ausbreitung der Polio möglich.

Die Polio-Immunität der Bevölkerung in Industrieländern ist mit 85 Prozent zwar gut, Impf-Lücken dürfen jedoch nicht entstehen. Dies verdeutlichen Kleinepidemien wie zuletzt 1992/93 in Holland und 1996 in Albanien. In Holland erkrankten 68 Menschen, die Impfungen aus religiösen Gründen abgelehnt hatten . Zwei Menschen starben. In Albanien gab es 138 Erkrankungsfälle, 16 davon mit Todesfolge.

Krankheitsverlauf

Die Kinderlähmung verläuft in verschiedenen Phasen. Nach wenigen Tagen, maximal nach zwei Wochen, zeigen sich bei fast allen Infizierten unspezifische Krankheitszeichen wie Fieber, Kopfschmerzen und Schluckbe- schwerden. In 90 bis 95 Prozent der Infektions-Fälle entwickelt das körpereigene Immunsystem in dieser Phase Antikörper und bildet so einen Langzeitschutz (stille Feiung).

Eine Woche nach Ausbruch kommt es bei etwa einem Prozent der Infizierten zu einer schweren Hirn-Entzündung (Meningitis). Bei weniger als einem Prozent der Polio-Kranken kommt es anschließend zu Lähmungen der Gliedmaßen oder des Zwerchfells. In diesen Fällen hat das Virus die Rückenmarks-Nerven erreicht und geschädigt.

Besonders gravierend ist die Zwerchfell-Lähmung. Sie macht das selbständige Atmen unmöglich, so dass eine künstliche Beatmung, früher die "Eiserne Lunge", oft lebenslang notwendig ist.

Die Polio ist eine schwere Infektionskrankheit, die tödlich enden oder zu schwerer Invalidität führen kann. Es bleiben Schäden an den Gliedmaßen, etwa Lähmungen oder Störungen im Bewegungsablauf (z.B. Hinken), Muskelschwund oder Wachstumsstörungen. Viele Patienten leiden an den Spätschäden der Kinderlähmung, die erst Jahrzehnte nach der Infektion auftreten können: Extreme Müdigkeit, Muskelschwäche, ständige Muskelschmerzen und Atemschwäche (in Deutschland heute etwa 10.000 bis 50.000 Personen).

Impfung

Anfang der 50er Jahre erkrankten in Deutschland jedes Jahr fast 10.000 Personen an Kinderlähmung. Der letzte nachweisbare Fall ereignete sich 1985. Unter dem Motto "Schluckimpfung ist süß - Kinderlähmung ist grausam" trat wirksamer Impfstoff in den frühen 60er Jahren seinen Siegeszug an. Die Schluckimpfung bestand aus einem Lebendimpfstoff mit abgeschwächten (“attenuierten”) Viren. Dies hatte zum einen den Vorteil, dass eine Spritze vermieden wurde. Zum anderen waren die abgeschwächten Krankheitserreger so stark virulent, also “ansteckend”,dass mit einer Schluckimpfung schon alle anderen Familienmitglieder mitgeimpft wurden. Zum Beispiel reichte schon ein gemeinsames Handtuch auf der häuslichen Toilette, um alle anderen Toilettenbenutzer mit der Impfung “anzustecken”.

Mittlerweile ist die Gefahr, in der Bundesrepublik an Polyomyelitis zu erkranken, sehr gering. Auf jeden Fall geringer als das Risiko, mit der Schluckimpfung (Lebendimpfstoff) an einer Impfpolio zu erkranken. Daher gilt diese Schluckimpfung heute als überholt (obsolet) und wird daher auch nicht mehr empfohlen.

Seit Januar 1998 empfiehlt daher die Ständige Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut in Berlin, eine "Spritz-Impfung". Sie ist geeignet für Säuglinge ab dem 3. Lebensmonat, Jugendliche und Erwachsene. Für Kinder gibt es Kombinationsimpfstoffe, die viermal zur Grundimmunisierung gespritzt werden müssen. Der Einfach- -Spritzimpfstoff gegen Kinderlähmung wird zur Grundimmunisierung nur zweimal gegeben. Eine Wiederimpfung erfolgt zwischen dem vollendetem 9. und 17. Lebensjahr, in der Regel mit dem Kombinationsstoff gegen Tetanus-Diphtherie-Polio.

Personen mit 4 oder mehr als 4 dokumentierten Impfungen gelten als vollständig immunisiert. Eine routinemäßige Auffrischimpfung wird nach dem vollendeten 18. Lebensjahr nicht empfohlen. Aufgefrischt werden sollte vor allem, wenn Sie Reisen in Länder mit Polio-Vorkommen planen oder im medizinischen Bereich tätig sind.